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Band I - Heft 6 - Juni 2001 |
21. Juni 2001 |
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Ein Schutzengel? Gurita beschäftigt gleich eine ganze Schar! |
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21. Juni 2001 Bukarest
Wie so viele seiner Artgenossen in Bukarest, sollte auch der feingliedrige, ungefähr dreijährige Streuner umgebracht werden. Mit einem Schrotgewehr schoss man ihm in den Kopf und überliess ihn dann seinem Schicksal. Aber die Todes-Schwadron hatte die Rechnung ohne den Lebenswillen des braun-beigefarbenen Mischlings gemacht! Trotz beidseitig gebrochenem Kiefer (der Unterkiefer hing kraftlos herunter) überlebte das schwerverletzte Tier irgendwie, wobei die verblüffte Frage, wie es überhaupt mit einer derartigen Behinderung hatte fressen können, ohne Antwort bleiben muss. Als Liviu den Schwerverletzten nach qualvollen drei Monaten endlich fand, nahm er ihn zu sich, gab ihm den Namen Gurita, liess ihn operieren und vertraute den Zusammengeflickten dann später der Initiative „Hand-und-Pfote“ an, die das Tier nach Deutschland in Sicherheit brachte.
Ende gut - alles gut? Nein, leider nicht! Zwar stimmten nun endlich die äusseren Bedingungen für ein besseres Leben, doch nun war es Gurita selbst, der sich im Weg stand! Er machte nämlich seinen neuen Freunden energisch klar, dass er zwar sehr viel von Frauen hält, aber absolut nicht alle Geschlechtsgenossen schätzt, und zwar weder menschliche noch vierbeinige. Sein Motto „Manche Männer knurrt man an, die meisten Rüden sind zum Raufen da, und Katzen beisst man zwar nicht, aber sie lassen sich gut jagen“ war kein gutes Vorzeichen, eine neue Familie für ihn zu finden! Alle Interessenten zogen sich schnell wieder zurück. Was blieb Karin Herma , die sich des Hundes seit seiner Ankunft angenommen hatte, übrig, als ihn trotz massiver Bedenken vorerst zu sich zu nehmen, obwohl sie schon drei nicht kastrierte Rüden zu ihren Familienmitgliedern zählt. Und es kam genau so, wie sie befürchtet hatte: Krieg! Bei einem der Gerangel brach Guritas gerade geheilter Kiefer erneut und er landete zum zweiten Mal in einer Tierklinik. Durch eine weitere Operation schien zwar das Kiefernproblem gelöst, aber die brennende Frage nicht: Wohin mit dem Streithammel? Karin liess SOS Meldungen im Internet los, die viele Tierfreunde in Europa aufscheuchten und nach einiger Aufregung schliesslich bei der Richtigen landeten: Angie Schmidt! Sie war bereit, Gurita trotz seiner Macken und einer fürchterlich aussehenden Kieferschiene bei sich aufzunehmen und ihm ein neues Zuhause zu bieten. Und was für eins! |
Der vierbeinige Pechvogel, für den bis zu dem Augenblick jeder Tag ein Kampf ums Überleben gewesen war, und der schon als junges Tier ins Paradies der Hunde hatte geschickt werden sollen, fand sich auf einem riesigen, idyllischen Grundstück wieder und in einer Sicherheit, die er in seinem ganzen Leben noch nicht hatte kennenlernen dürfen. Nun endlich konnte Gurita der ganzen Welt beweisen, wie recht Karin und all seine Beschützer gehabt hatten mit der Behauptung, dass dieser Überlebenskünstler trotz gelegentlicher Macken ein wirklich aussergewöhnlich dufter Typ ist! Doch von einem happy-end kann leider immer noch nicht die Rede sein! Schon wieder türmt sich vor dem Hund ein Berg auf dem Weg auf, der eigentlich in ein normales Leben führen sollte: In der Klinik wurde seine Kiefernschiene entfernt und man musste dabei feststellen, dass die Knochen nicht wie erwartet zusammengewachsen sind, so dass der Kiefer rechts immer noch durchtrennt ist, es sich also keine „Brücke“ gebildet hat. Die Freunde Guritas haben ihm den Beinamen „Immortality“ gegeben, denn er hat das Hunde-Massaker von Bukarest überlebt. Er will leben! Und er soll leben! Aber dafuer braucht er noch einmal einen Schutzengel. Wo ist der Kieferchirurg, der weiss, wie man einen nicht zusammengewachsenen Kiefer (durch Prothese?) wieder stabilisieren kann? Gurita und seine Freunde bangen und hoffen gemeinsam auf den erlösenden Anruf!
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