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Band II - Heft 1 - Juli 2001

 13. Juli 2001 
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Hundegemetzel beginnt in der Stadt der 2008 Olympiade

13. Juli 2001, Beijing, China

Während Sie dieses lesen, stimmt eine Delegation von 120 Offiziellen hinsichtlich des Austragungsortes der 2008 Sommerspiele aus der Vorauswahl des Internationalen Olympischen Komitees zwischen drei Finalisten ab: Toronto, Paris und Beijing. Alle drei Städte haben zweifellos die allergrössten Anstrengungen gemacht, um einen ansprechenden und sauberen Eindruck zu vermitteln, aber nur eine bedient sich dabei eines Massenmordes.

Seit Monaten schon stand Beijing (Favorit unter den dreien) unter allerdings noch gedämpftem Feuer von Tierrechtsaktivisten und Hundefreunden gleichermassen wegen seiner angeblich nicht ethischen Behandlung von Hunden, die als Nahrung dienen. Aber Anfang dieser Woche schlug die Nachricht wie eine Bombe ein, dass in Beijing ein beispielloses, stadtumfassendes Gemetzel von Streunern und nicht registrierten Hunden begonnen hat, durch das dem IOC das internationale Flair der Stadt bewiesen werden soll. Ein Reporter des UK Scotsman online berichtete uns gestern:

Städtische Beamte treiben Hunde zusammen und schliessen Gemüsemärkte, damit kein negatives Bild der chinesischen Hauptstadt im Vorlauf der morgigen Entscheidung sichtbar war.

Für den Endspurt der Entscheidung hat die Polizei sogar Patrouillen eingesetzt, die die Hunde ihren Eignern wegnehmen. Nicht selten müssen die Tiere aus den Armen ihrer Besitzer gezerrt werden, damit man sie in die Asyle transportieren und dort umbringen kann.

Manchmal werden die Tiere auch in Säcke geworfen und zu Tode geprügelt - vor den Augen ihrer entsetzten Besitzer.

Seltsamerweise glaubt die chinesische Regierung, daß diese Verfahren eindrucksvoller sind als ein Renommee von Freundlichkeit Hunden gegenüber. Paris verwöhnt seine Köter viel zu sehr, daher sind die Strassen voller Haufen, tönten die offiziellen chinesischen Zeitungen in der letzten Zeit. Die Tageszeitung Chinese Liberation Daily titelte kürzlich sogar: „Verwilderte Hunde laufen auf den Strassen umher. Paris muss seine Hunde unter Kontrolle kriegen, bevor es die olympischen Spiele beherbergen kann.“

Was wurde unternommen, um den Hunden zu helfen?

Nun, es macht zwar Mut, all die Hundefreunde zu sehen, die sich jetzt zu Wort melden, jedoch bleibt gleichzeitig die bange Frage, wieviel Einfluss diese Menschen wohl letztlich ausüben können. Sie und all die Politiker, Tierrechtsgruppen, wichtige Gesellschaften und ausserdem auch die Müllers und Schulzes wie Sie und ich, die aus allen Ländern (vor allem auch China) kommen, bilden eine bemerkenswerte Legion. Der internationale Tierschutz ergriff schon seit längerem die Gelegenheit, in Zusammenhang mit der Olympiade die Verantwortlichen aufzurütteln. Schon lange vor der gegenwärtigen Hundevernichtung hatten Organisationen Petitionen verteilt und auf die fragwürdige chinesische Hundefleisch-Industrie hingewiesen. 

Hundefleisch steht schon seit über 2000 Jahren auf dem chinesischen Speiseplan, aber ein neues Bewusstsein und Information aus dem Internet haben der Welt gezeigt, wie furchtbar diese Tiere leiden müssen. Anfang des Jahres hat die Schweizer Organisation SOS Saint Bernard Dogs International eine grosse Aktion gestartet und bis heute 11,000 Unterschriften gesammelt von Menschen, die ihren Einfluss geltend machen wollen. Leider meint die Regierung der Schweiz (Empfänger der Petition), dass aus diplomatischen Gründen bei „kulturellen Belangen“ keine Einflussnahme angebracht sei. Die amerikanische Organisation Phoenix Animal Charitable Trust eine grosse Aktion gestartet und bis heute 15,351 Unterschriften gesammelt (hier kann man die Petition ansehen/unterschreiben).

Blicken wir also nach Washington D.C, wo am Dienstag eine hitzige Debatte im Kongress stattfand darüber, ob man eine Anti-China Gesetzgebung anstreben solle, um die IOC-Auswahl von Beijing zu erschweren. Nach Berichten von Reuters wurden auf „duellierenden“ Pressekonferenzen auf Capitol Hill von beiden Seiten leidenschaftliche Argumente vorgebracht - im Interesse von Athleten, denen das Recht zum Wettkampf erhalten bleiben solle, und für das olympische Ziel der Förderung des Weltfriedens, besonders im Hinblick auf die Problematik der Wahrung von Menschenrechten in China.

Und was ist dabei herausgekommen? Noch nichts.

Was kann man also tun?

In dem Zusammenhang gibt es wohl keine passendere Gelegenheit, als den grössten halb-menschlichen Vertreter der Geschichte, nämlich Mr. Spock, zu zitieren: „Ich würde sagen, dass es immer Alternativen gibt.“

Also, auf geht’s. Ran an die Computer und noch ein paar Petitionen unterschreiben. Oder reden Sie mit Tierrechtsgruppen (die wissen schon, was Sie meinen) oder schreiben Sie e-mails an Coca Cola und andere olympische Sponsoren. Und wenn Sie wirklich ganz wütend sind, ist vielleicht der Versuch einer knappen und klaren Notiz an Ihren Lieblingspolitiker eine gute Idee. Fällt Ihnen noch etwas anderes ein? Lassen Sie es uns wissen und wir veröffentlichen es in diesem Rahmen. Okay? Wir treffen uns am Montag wieder hier und besprechen alles.

Beam me up, Scotty!

Letzte Meldung: Um ca. 15:00 GMT verkündete das IOC, dass es Beijing als Ort für die Sommer-Olympiade 2008 gewählt hat.

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